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Hundegesundheit 01.06.2021

Erste Hilfe beim Hund - was man alles wissen sollte

Johann by Johann, Johann ist Hundpapa seit 2018 und Hundefan seit 1986.

Erste Hilfe beim Hund - was man alles wissen sollte

Wenn du einen Führerschein besitzt, musstest du einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Das liegt vielleicht schon eine Weile zurück. Und wenn du deine Kenntnisse nicht regelmäßig auffrischst, kannst du im Ernstfall vermutlich nicht richtig reagieren. Gerät ein Vierbeiner in eine Notfallsituation, sind bei der Erstversorgung noch ganz andere Dinge zu beachten als beim Menschen. Viele gemeinnützige Organisationen, die ErsthelferInnen für Menschen ausbilden, bieten inzwischen auch Kurse für die Erste Hilfe am Hund an. Dazu gehören z.B. der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) oder Die Johanniter. 

Eines allerdings sollte klar sein: Die Erste Hilfe ersetzt niemals den Gang zum Tierarzt. Sie ist nur eine Sofortmaßnahme, die verhindern soll, dass sich der Zustand des Tieres verschlechtert, bis professionelle Hilfe geleistet werden kann. 

Erste Hilfe beim Hund shutterstock.com / Wallenrock

Allgemeine Maßnahmen

Grundsätzlich solltest du daran denken, dass ein verletzter Hund Schmerzen und Angst hat. Auch der liebste Hund kann unter diesen Umständen anders reagieren als sonst. Er könnte versuchen zu fliehen oder zu beißen, weil er die Behandlung als unangenehm oder als bedrohlich empfindet. Darum solltest du folgendes beherzigen:

  • Nähere dich dem Hund vorsichtig und mit langsamen Bewegungen
  • Atme tief und hörbar durch. Lass beim Ausatmen deine Schultern nach unten sinken. Das entspannt dich und signalisiert deinem Hund, dass er dir vertrauen kann
  • Sprich leise und beruhigend mit ihm, auch wenn es dir in dieser Situation schwer fallen sollte
  • Lege ihn auf die unverletzte Seite auf einer Decke ab
  • Leine den Hund an und binde evtl. seinen Fang zu oder lege ihm einen Maulkorb an, falls er um sich beißen sollte 

Es gibt jedoch Situationen, in denen der Fang niemals zugebunden werden darf:

  • Wenn der Hund stark hechelt
  • Wenn der Hund erbricht oder die Möglichkeit besteht, dass er erbrechen könnte
  • Wenn er im Maulbereich verletzt ist
  • Wenn er bewusstlos ist
  • Wenn er einen Hitzschlag erlitten hat

Bissverletzungen

Sie gehören zu den häufigsten Notsituationen, mit denen man als HundehalterIn konfrontiert wird. Schon eine kleinere Rauferei kann mit Bisswunden enden, die böse Infektionen hervorrufen können, wenn sie unbehandelt bleiben. Manche Bissverletzungen sind tückisch. Es gibt nämlich Hunde, deren Wunden aufgrund ihrer Fellbeschaffenheit nicht gleich entdeckt werden. Manche Vierbeiner bluten auch nicht sofort, so dass zunächst der Eindruck entsteht, die Rauferei sei folgenlos geblieben. 

So kannst du helfen: 

  1. Nach jeder Rauferei den Hund gründlichst nach Verletzungen absuchen
  2. Bei starken Blutungen Druckverband anlegen. Dazu legst du einen sterile Kompresse auf die Wunde; darüber kommt eine verpackte Mullbinde oder notfalls eine Packung Taschentücher, und dann fixierst du das Ganze mit einem Verband.

Schnittwunden

Auch das kommt im Hundealltag häufig vor: Der Hund tritt beispielsweise in eine Glasscherbe. Er humpelt oder kann gar nicht mehr auftreten. Vielleicht blutet er auch.

So kannst du helfen:

  1. Vorhandenen Fremdkörper (Scherbe, Splitter etc.) entfernen
  2. Starke Blutung mithilfe eines Druckverbands stoppen
  3. Auch wenn die Wunde nicht blutet, einen Pfotenverband anlegen. Dabei Tupfer (Wattepads tun es auch) zwischen die Zehen legen. Das lindert den Schmerz und verhindert, dass Schmutz in die Wunde gelangt.

Fremdkörper

Es gibt Hunde, vor allem Welpen, die fressen alles - Steine, Knöpfe usw. Aber auch erwachsene Hunde erwischen spitze Hühnerknochen, die ihnen gefährlich werden können. Noch schlimmer sind Spareribs-Knochen. Sie können sich in der Speiseröhre quer legen und diese sogar perforieren. Hat der Hund einen Knochen im Hals, merkst du das sehr schnell. Er röchelt und bekommt kaum noch Luft. Anders sieht es bei kleineren Fremdkörpern aus. Da können die Symptome wie Erbrechen, Verstopfung oder (blutiger) Durchfall auch mit zeitlicher Verzögerung auftreten. 

So kannst du helfen:

  • Fremdkörper falls möglich entfernen 
  • Auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt. Er kann mit Röntgenaufnahmen feststellen, wo und an welcher Stelle der Fremdkörper sitzt und geeignete Maßnahmen einleiten

Vergiftungen

Nicht immer sind es Hundehasser, die hinterhältig Gift auslegen. In vielen Städten rückt man unerwünschten Nagetieren mit Rattengift auf den Leib. Darauf muss an den jeweiligen Stellen zwar hingewiesen werden, doch dann hat Bello vielleicht schon was erwischt. Manche Gartenbesitzer streuen Schneckenkorn oder düngen mit Blaukorn. Ein vergifteter Hund erbricht häufig und hat Durchfall (mit oder ohne Blut). Auch Krämpfe und Atemnot können auftreten. Ein ziemlich sicherer Hinweis für eine Vergiftung ist auffällig blasses Zahnfleisch.

So kannst du helfen:

  • Bei Vergiftungen besteht akute Lebensgefahr. Deshalb solltest du unverzüglich zum Tierarzt fahren
  • Kohletabletten können eine wirksame Erste-Hilfe-Maßnahme sein. Allerdings nehmen viele Hunde in diesem Zustand oft nichts mehr zu sich.

Hitzschlag

Es versteht sich von selbst, dass Hunde bei hohen Temperaturen nicht im Auto bleiben dürfen oder neben dem Rad durch die Gegend gejagt werden sollen. Während der Hitze ist jegliche Anstrengung zu vermeiden! Trotzdem kann der Hund bei hohen Temperaturen einen Hitzschlag erleiden. Das erkennst du daran, dass er sehr stark hechelt, oft auch speichelt und die Zunge übermäßig weit heraussteckt. Vielleicht taumelt er sogar und kollabiert. 

So kannst du helfen:

  1. Bring den Hund an einen kühlen Platz
  2. Stell ihm kühles Trinkwasser zur Verfügung
  3. Niemals Wasser einflößen, wenn der Hund bewusstlos ist
  4. Gieße ihm langsam kühles (nicht eiskaltes) Wasser über die Pfoten

Schock

Fast alle Notfallsituationen können beim Hund auch zu einem Schock führen. Er wirkt geschwächt, hechelt stark und sein Herz rast. Oft sind Ohren und Pfoten kalt. Vielleicht ist er sogar bewusstlos.

So kannst du helfen:

  1. Den Hund auf einer warmen Unterlage in Seitenlage bringen und evtl. zudecken
  2. Atemwege befreien: Kopf etwas überstrecken und die Zunge aus dem Fang ziehen
  3. Das hintere Körperteil hoch, den Kopf aber tief lagern. 

Ausnahme: Leidet der Hund an Atemnot, muss der Kopf hoch gelagert werden!

Wiederbelebung

Durch einen Schock kann es zum Atemstillstand kommen. Dann ist eine Wiederbelebungsmaßnahme erforderlich. Ohne vorheriges Training, z.B. in einem Erste-Hilfe-Kurs, ist der Erfolg dieser Aktion allerdings fraglich.

So kannst du helfen:

  • Hund auf die rechte Seite legen
  • Zeigefinger und Daumen zu einem Ring formen, um die Nasenlöcher des Hundes legen und hineinblasen
  • Herzdruckmassage durchführen: Je nach Größe des Hundes mit einer oder mit beiden Händen drei- bis fünfmal in kurzen Stößen auf den Brustkorb drücken. Dreimal wiederholen, dann wieder beatmen. In diesem 3:1 Wechsel weitermachen, bis der Hund spontan wieder atmet und ärztliche Hilfe geleistet werden kann.
Erste Hilfe leisten bei einem Hund shutterstock.com / Christin Lola
Bannerbild: shutterstock.com / 4 PM production
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